4.2.7.1. Bestandsaufnahme des derzeitigen Umweltzustandes
Biotope und Pflanzen
Im Folgenden werden die Biotoptypen innerhalb des Plangebiets sowie angrenzend beschrieben.
Das überwiegende Plangebiet wird gemäß Biotopkataster Hamburg (mit Stand der Erhebung im Plangebiet: 2014 bis 2022) als hoch versiegelte bebaute Flächen bzw. Gewerbefläche (BIG) dargestellt. Nur kleinflächig im Bereich zwischen Plöner Straße und dem Eingang zur S-Bahn-Station "Diebsteich" zwischen Bahnstrecke und ehemaligem Gehweg wird aufgrund des älteren Datenerhebungsstandes noch ein gepflanzter Gehölzbestand aus überwiegend heimischen Arten (ZHN) dargestellt. Bei einer Ortsbegehung waren diese Strukturen bereits nicht mehr vorhanden. Diese werden im Rahmen der planfestgestellten Bahnmaßnahmen überbaut.
Die angrenzende Bahnanlage wird als solche dargestellt (VB). Westlich der Großen Bahnstraße sowie östlich der Bahnanlage wird noch ein sonstiges, naturnahes, nährstoffreiches Stillgewässer (SEZ) dargestellt. Bei einer Ortsbegehung war dieses nicht mehr vorhanden. Nördlich der ehemaligen Hausnummer 9 der Isebekstraße werden weitere gepflanzte Gehölzbestände aus überwiegend heimischen Arten (ZHN) dargestellt.
Entlang der Straßen, insbesondere an der Großen Bahnstraße und der Waidmannstraße, bestehen Einzelbäume, Baumgruppen und Baumreihen (siehe Unterkapitel Gehölze).
Es ist nicht mit dem Vorkommen geschützter Pflanzenarten zu rechnen.
Gehölze
Bei den meisten Bäumen im Plangebiet handelt es sich um straßenbegleitende Bäume (Winter-Linde, Holländische Linde sowie einzeln Stieleiche und Spitz-Ahorn). Entlang der Waidmannstraße weisen die Bäume einen Stammumfang von rd. 95 cm bis 173 cm auf. Die Baumgruppen vor dem Eingang zum ThyssenKrupp Schulte-Areal weisen Stammumfänge bis 267 cm auf. Es handelt sich hierbei überwiegend um Winter-Linde, Spitz-Ahorn und einzelne Rot-Eichen. Im Kreuzungsbereich Isebekstraße/Große Bahnstraße besteht eine Baumgruppe aus teilweise mehrstämmigen Altbäumen sowie zwei Grau-Pappeln mit Stammumfängen von rd. 300 cm und 380 cm.
Besonderer Artenschutz
Für das Bebauungsplanverfahren Altona-Nord 27 / Bahrenfeld 72 liegt eine Potenzialanalyse und artenschutzfachliche Prüfung aus dem Jahr 2025 vor, die das Plangebiet überwiegend abdeckt. Lediglich ein Teil der Waidmannstraße südlich des Gebäudes des Infozentrums Diebsteich befindet sich nicht innerhalb des Untersuchungsgebiets für das Bebauungsplanverfahren Altona-Nord 27 / Bahrenfeld 72. Da es sich hierbei lediglich um einen kurzen Straßenabschnitt mit Straßenbäumen handelt und eine Fällung der Bäume nicht vorgesehen ist, ist die Untersuchung dennoch als ausreichend zur Bestandserfassung zu erachten. Die Ergebnisse werden im Folgenden wiedergegeben.
Fledermäuse
Es konnten bei biologischen Untersuchungen lediglich die drei Fledermausarten Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus), Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) und Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus) erfasst werden. Das Gebiet wurde als überwiegend unattraktiv und für Fledermäuse von unterdurchschnittlicher Bedeutung eingestuft. Es können potenziell noch weitere Fledermausarten vorkommen.
Zwei Linden (Nr. 1 und 2) im Eingangsbereich des ThyssenKrupp Schulte-Areals konnten wegen ihrer Höhe und dichten Belaubung nicht vollständig untersucht und auf potenzielle Fledermaushöhlen im Kronenbereich überprüft werden. Sommerquartiere können deshalb dort nicht sicher ausgeschlossen werden. Die Stammdurchmesser im Kronenbereich sind für die Linden geringer als 40 cm, so dass dort Fledermaus-Winterquartiere ausgeschlossen werden können. Im Stammbereich unterhalb der Krone sind keine Höhlen vorhanden.
Drei Linden am Straßenrand (Nr. 4, 5, und 6) zeigen Höhlen im oberen Stammbereich. Auch dort waren aktuell keine Fledermausspuren festzustellen. Zwei sehr stark zerklüftete Linden (Nr. 7) konnten auf Fledermausquartiere untersucht werden, ohne jedoch Hinweise auf Fledermausvorkommen vorzufinden. In der Baumgruppe an der großen Bahnstraße (Nr. 9) sind die Bäume relativ strukturreich aufgewachsen, so dass dort kleine Spalten im Kronenbereich immer wieder auftreten können und dort kleine Einzelverstecke, sog. "Tagesverstecke“ möglich sind.
Die übrigen Bäume im Geltungsbereich des Bebauungsplans sind nicht mit Höhlen ausgestattet, die Fledermäusen Quartier bieten können.
Abbildung 1: Lage der Biotopstrukturen, Bäume und Gebäude, Strukturen mit mindestens geringer Bedeutung für Fledermäuse sind violett markiert; weiße Kreise haben kein Potenzial für Fledermausquartiere (LUTZ 2025)
Als relativ vegetationsarme Fläche ist das Untersuchungsgebiet nur von geringer potenzieller Bedeutung für nahrungssuchende Fledermäuse.
Brutvögel
Im Untersuchungsgebiet wurden 14 Brutvogelarten gefunden. Erfasst wurden die Arten Amsel, Blaumeise, Elster, Grünfink, Hausrotschwanz, Heckenbraunelle, Kohlmeise, Mönchsgrasmücke, Rabenkrähe, Ringeltaube, Rotkehlchen, Zaunkönig und Zilpzalp. Die meisten dieser hier vorkommenden Arten, mit Ausnahme des Grünfinks, gehören nach Angaben der Roten-Liste Hamburgs zu den in Hamburg zunehmenden oder im Bestand stabilen Arten. Der Bestand des Grünfinks ist zwar derzeit rückläufig, jedoch ist unklar, ob das an einer Verschlechterung des Lebensraumes liegt oder an anderen Faktoren, z.B. einer grassierenden Infektion.
Weitere Arten
Die Potenzialanalyse hat ergeben, dass ein Vorkommen weiterer streng geschützter Arten nicht zu erwarten ist. Es konnten lediglich ungefährdete und anpassungsfähige Arten festgestellt werden. Grund hierfür ist zum einen die Habitatausstattung (z. B. fehlende Gewässer) sowie zum anderen die bestehenden Vorbelastungen (z. B. Scheuchwirkungen und Lärm, Licht).
Der in Hamburg grundsätzlich vorkommende Nachtkerzenschwärmer benötigt für sein Vorkommen Weidenröschen oder Nachtkerzen als Raupenfutterpflanze. Diese Arten kommen innerhalb der Gleisanlagen am Rand des Plangebiets vor. Dennoch wurden im Rahmen von Erfassungen keine Hinweise auf diese Art gefunden. Die Art ist ausgesprochen mobil und wenig standorttreu. Sie ist in Norddeutschland selten und kommt hier nur in günstigen Sondersituationen vor. Ihr Vorkommen ist immer wieder möglich, wenn auch unwahrscheinlich.